
Ja, das stimmt - man kauft sich einfach eine oder mehrere Katzen und einen Kater dazu und legt los ... . Leute, die so etwas tun, nenne ich Vermehrer und finde, man sollte ihnen das Vermehren von Katzen untersagen. Es gibt schon genügend stammbaumlose, hübsche, mehr oder minder reinrassige Billig-Katzen in Tierheimen - nein, danke. Doch wie wird man nun ein Züchter? Das ist nicht ganz so einfach. Im Idealfall ist da zunächst die Liebe zu einer bestimmten Rasse. Man erwirbt eine oder zwei Katzen, weil man sie so toll findet. Man informiert sich, natürlich schon vor dem Kauf, über die Rasse und ihre charakteristischen Eigenarten, man spricht mit verschiedenen Züchtern und besucht Ausstellungen, um sich ein Bild zu machen. Dann möchte man vielleicht doch ganz gerne mal Babies haben, so süße kleine knuddelige ... und man informiert sich erneut - was muß man wissen, was beachten, in welchen Verein möchte ich gehen (eine Vereinszugehörigkeit stelle ich als Zuchtvoraussetzung hin !), wie geht das mit den Ausstellungen (um die man als Züchter einfach nicht drum herum kommt) und wo finde ich einen passenden Deck-Kater (was sich meist als das schwierigste überhaupt gestaltet)?
Was Sie sich aber noch fragen sollten, und zwar sehr ernsthaft: Was genau will ich? Will ich einfach nur aus Spaß an der Freude hin und wieder mal Jungtiere aufziehen? Ist mir die Fellfarbe der Jungtiere egal? Wie viel Geld bin ich bereit auszugeben? Kann ich notfalls Urlaub nehmen, wenn etwas mit dem Wurf nicht in Ordnung ist? Und bin ich wirklich bereit, mich nach 12 Wochen von den süßen, kleinen Rackern zu trennen?

Zunächst sollten Sie mit Ihrer Katze einige Ausstellungen besuchen und sie dort von verschiedenen Richtern bewerten lassen. Dort wird man Ihnen im Allgemeinen ehrlich sagen, ob Ihr Tier zuchttauglich ist oder irgendwelche Fehler hat. Scheuen Sie Sich auch nicht den Richter noch einmal direkt nach den eventuellen Fehlern Ihrer Katze zu fragen. Ein negatives Richterurteil kann natürlich sehr schmerzlich sein, aber diese Bewertungen dienen ja schließlich dazu, die jeweilige Rasse zu schützen. Nur die besten Tiere sollen Nachwuchs haben, damit sich nicht Fehler im Körperbau, der Fellfarbe oder -Struktur usw. einschleichen können.
Wenn Sie züchten wollen, sollten Sie sich mit Genetik beschäftigen. Die Farbvererbung bei Katzen sieht auf den ersten Blick schwierig aus und sie erfordert für einige Zeit ein intensives Studium.
Warum das so wichtig ist? Nun, nehmen wir mal an, Sie möchten braungetigerte Katzen züchten. Sie haben eine solche Katze und ein ebensolcher Kater darf sie beglücken. Die Katze ist tragend und Sie freuen sich wie ein Schneekönig auf den Brauntiger-Wurf, und haben sogar schon 3 Bestellungen auf ein solches Tier. Und eines Morgens kommen Sie an die Wurfkiste und finden eine glücklich schnurrende Mami vor - mit einem Brauntiger, einem ganz Schwarzen und einem schiefergrauen Baby. Werden Sie da nicht empört nach dem blöden Storch rufen, der hier eindeutig Mist gebaut und eine falsche Lieferung abgegeben hat ???
Was ist passiert? Tja, das ist halt Mutter Natur. Katzen sind nicht immer, was sie auf den ersten Blick zu sein scheinen. Sowohl Ihre Katze als auch der Kater sahen zwar äußerlich getigert aus, aber im Erbgut lagen auch die Veranlagungen für Einfarbigkeit und für verdünnte Fellfarbe (denn die schiefergraue (blaue) Fellfarbe des einen Babys ist nur die ausgeblichene [verdünnte] Form von schwarz). Und daher muß man sich schon ein wenig auskennen, wenn man nicht einfach irgendwelche Jungtiere in die Welt setzen will - was für mich schon wieder bloßes Vermehren ist ...
Wenn Sie sich also mit der Genetik ein wenig vertraut gemacht haben, einen passenden Verein gefunden haben und die Katze auf den Ausstellungen ihre Punkte erhalten hat (und natürlich mindestens 10 Monate alt ist!), dann werden Sie für Ihre Katze einen passenden Kater suchen wollen. Und das ist nicht so einfach. Viele Katerbesitzer wollen ihr Tier nicht zum Fremddecken freigeben, da sie Angst vor dem Einschleppen von Infektionskrankheiten haben. Lassen Sie sich also Zeit und beginnen Sie frühzeitig mit der Suche nach dem passenden 'Romeo' für Ihre 'Julia'. Auf Ausstellungen werden Sie sicherlich Kontakt und den passenden Kater finden.
So, nun ist es soweit - die Katze ist tragend. Jetzt kommt wirklich einiges auf Sie zu! Selbstverständlich päppeln Sie die werdende Mutter tüchtig mit allem, was ihr Herz begehrt und gönnen ihr viel Ruhe. Sie richten ihr eine Wurfkiste ein (egal ob ein dick ausgepolsterter Karton, eine offene große Schublade oder eine extra gebaute Kiste - bequem muß sie sein und nicht zu groß, die Katze muß sich mit den Beinen bei den Wehen abstützen können). Sie unterstützen Ihre Katze mit homöopathischen Mitteln, einmal täglich Pulsatilla D5 ab dem 50. Schwangerschaftstag erleichtert ihr die Geburt. Bitte als Globuli (5 Stück sind eine Gabe), Tropfen sind unverträglich für die Katze, da sie Alkohol enthalten. Sie haben die Telefon-Nummer Ihres Tierarztes neben dem Telefon liegen und haben ihm auch gesagt, wann in etwa die Babys zu erwarten sind. Sie haben auch alles für die bevorstehenede Geburt bereit liegen (ein steriles weiches Baumwolltuch, Küchenkrepp, eine Waage, weitere homöopathische Mittel wie z.B. Caulophyllum, ein Blatt und einen Stift - und Sie haben eine Uhr im Auge!) Das Wurfkörbchen ist dick und weich ausgepolstert (Sie glauben nicht, wie viel Fruchtwasser eine Katze verlieren kann!). Nehmen Sie, was Sie wollen (Zeitungspapier zuunterst, alte Handtücher und Bettzeug - alles was saugfähig ist), aber als oberste Lage immer ein fusselfreies glattes Tuch wie einen Bettbezug. Bitte nichts nehmen, worin eventuell die Krallen der Neugeborenen hängen bleiben könnten (also kein Frottee oder so was in der Art, besser ist Baumwolle oder Leinen). Und nun warten Sie ....

Gehen wir davon aus, alles ist gut gegangen und die Mami liegt nun erschöpft schnurrend bei ihrem Nachwuchs, der sich piepsend an sie drängelt. Und Sie sitzen müde daneben - so eine Geburt kann lange dauern. Gönnen Sie sich und der Katze erst mal Ruhe. Bieten Sie ihr aber bitte Wasser und etwas gutes zu Essen an, einen Stärkungsdrink aus Quark mit einem Eigelb und ein wenig Traubenzucker nehmen auch viele Katzen gerne. Wenn Sie nicht mag, okay - stellen Sie es aber in erreichbare Nähe hin. Auch die Toilette sollte ab jetzt ganz in der Nähe des Körbchens stehen, zumindest für die ersten paar Tage. Manche Katzenmütter muss man sogar mit sanfter Gewalt aus dem Korb nehmen, damit sie endlich mal was zu sich nehmen und es auch wieder von sich geben!
Sie sollten in den ersten 14 Tagen die Babys täglich zur selben Zeit wiegen und die Gewichte notieren. Mit bloßem Auge kann man nicht sehen, ob ein Baby 10g zu- oder abgenommen hat! 10g sollten es pro Tag schon sein, besser ist mehr. Es ist aber auch normal, daß sie am ersten Tag nicht oder nur wenig zunehmen, oder sogar ein paar Gramm abnehmen - also nicht gleich in Panik verfallen. Eigentlich sollten die Babys am Ende der ersten Woche ihr Geburtsgewicht verdoppelt haben.

Komplikationen können jederzeit auftreten, und sie sind nicht so selten wie man immer hört oder glaubt. Daher meine Bitte an Sie - beobachten Sie ihre Katze täglich sehr genau, dann können Sie sofort handeln.
Die Katze nimmt nicht auf
Tja, das kann viele Gründe haben. Vielleicht ist die Katze noch zu jung (wie gesagt, mindestens
10 Monate alt !), vielleicht haben Sie ihr schon mal die Pille oder Spritze gegen Rolligkeit
gegeben (das bringt die Hormone durcheinander) oder die Hormone tanzen von Natur aus Samba.
Lassen Sie Ihre Katze gründlich untersuchen, um auszuschließen daß ein körperlicher Defekt dafür
verantwortlich ist. Ist das Tier gesund, kann man sanft mit homöopathischen Mitteln nachhelfen,
um die Hormone wieder in Einklang zu bringen. Oder es liegt am Kater (warum soll es immer nur an
der Frau liegen ?!), auch das sollte man abklären.
Die Katze ist tragend, scheint aber sehr matt.
Vorsicht ! Man muß jetzt unterscheiden - ist sie nur müder als sonst, ansonsten aber fit und
fröhlich (sie braucht jetzt mehr Ruhe als zuvor) oder frißt sie schlecht und wirkt krank ? Ist
ihr Po sauber, kein Durchfall, keine Absonderungen aus der Scheide ? Letzteres ist ein
Alarmsignal - sofort zum Tierarzt ! Denn da könnte eine Gebärmutterentzündung dahinter stecken.
Wird die Entzündung nicht erkannt, stirbt zuerst der Wurf ab und dann die Katze selbst durch
Vergiftung ! Oder man muß die Gebärmutter entfernen lassen.
Hilfe, sie hat Wehen, aber da kommt nix!
Wie lange hat die Katze schon Wehen? Es ist okay, wenn es bis zu einer Stunde dauert, ehe das
erste Baby da ist. Wenn sich die Katze aber sichtlich anstrengt und preßt, und da kommt nix -
ab zum Tierarzt! Notfalls muß er einen Kaiserschnitt vornehmen. Und wenn Sie keinen Tierarzt
erreichen können? So, jetzt wird's echt ernst!! Sehen Sie nach, ob das Baby "nur" zu
groß ist und sich der Geburtsweg nicht öffnet oder liegt es quer davor? Nehmen Sie Vaseline und
machen Sie die Öffnung schön rutschig. Dringen Sie ganz vorsichtig mit den Fingern
in die Katze ein, um die Öffnung vorsichtig und langsam zu weiten oder das Baby
zu drehen. Das ist die einzige Chance, die Sie und die Katze haben! Und irgendjemand soll
sich gefälligst die Finger wund telefonieren nach einem Tierarzt!! Die Katze wird sich
wehren und schreien, schlimmstenfalls wird die Geburtsöffnung ein wenig einreißen - aber das
ist immer noch besser, als wenn die Katze mitsamt dem Wurf qualvoll stirbt, oder?! Sollte jetzt
jemand der Meinung sein : "Sowas macht man nicht, da kann ja alles mögliche passieren,
das geht nicht!" - dem sei gesagt, genau das habe ich schon hinter mir !! Und es
ging, nachdem ich das erste Baby endlich draußen hatte, kamen alle anderen völlig normal zur
Welt (und ich habe erschöpft geheult und erst mal 'nen Whisky gekippt, so fertig war ich. Das
erste Baby war übrigens ein kräftiges und lebensfähiges Mädchen!
Die Babys schreien ständig.
Ständig piepende Babys sind nicht satt! Hat Ihr Katze denn Milch? Zum überprüfen einfach leicht
die Zitze vom Bauch her ausstreichen, es sollte ein klarer bis leicht milchiger Tropfen hervor
treten. Man kann auch hier wieder mit homöop. Mitteln helfen. Wenn die Zitzen sehr trocken sind,
kann man sie getrost mit ein wenig Bepanthen Wund- und Heilsalbe einreiben. Die leichte Massage
regt übrigens auch den Milchfluß an. Oder hat die Katze einen Milchstau? Das Gesäuge und die
Milchleisten sind dann hart und heiß. Hier sollte man schnell helfen, aber auch am besten mit
homöop. Mitteln. Notfalls muß man überbrücken oder ganz von Hand aufziehen - besorgen Sie sich
gute Katzenmilch und füttern Sie mehrmals täglich schön körperwarm.
Die Mutter sondert ein Baby immer wieder aus und trägt es von den anderen weg.
Es tut mir wirklich leid, aber dieses Baby ist krank - und mit Sicherheit nicht lebensfähig.
Katzen haben ein Gespür dafür. Es erscheint zwar grausam, daß sie es verstößt, aber damit will
sie meist ein Anstecken ihrer gesunden Jungen verhindern. Das hat Mutter Natur schon so haben
wollen. Natürlich können Sie versuchen, das Baby von Hand aufzuziehen. Denn die Katze wird es
nicht mehr annehmen. Aber ich habe leider die Erfahrung gemacht, dass solche Babys wirklich
sterben, egal wie sehr man sich bemüht.
Ein Baby hat Durchfall.
Sofort und auf der Stelle zum Tierarzt, mit Mama und dem ganzen Wurf! Die anderen können sich
schnell anstecken, und Durchfall ist sehr schnell tödlich für ein Katzenbaby. Bitte keine
eigenen Experimente, das bringt alles nichts!
Ich kriege die Babys nicht stubenrein!
Hi hi hi ... doch, das geht schon. Nehmen Sie ein kleines Klo, in das die Babys problemlos
reinsteigen können. Nehmen Sie bitte keine Klumpstreu, Babys nagen wie Kleinkinder an
allem und durch das Verschlucken der Klumpstreu könnten sie sterben (Darmverschluß oder
Entzündung). Geben Sie jetzt etwas benutzte (Pipi-)Streu von der Mutter hinein. Sie werden
sehen - die Kleinen schnuppern daran und lernen dann ganz schnell, wozu der komische
Sandspielplatz wirklich da ist.

Gehen wir davon aus, alles ist in bester Ordnung. Die Kleinen sind bereits geimpft und entwurmt und haben auch liebe neue Eltern gefunden. Schön wäre es, wenn die Leute das Kätzchen mehr als einmal besuchen würden und ein wenig mit ihm spielen. Wenn der Tag des Auszuges gekommen ist, dann atmen Sie tief durch und verabschieden sich. Ich persönlich habe meine Babys (bis auf wenige Ausnahmen) immer in ihr neues Zuhause gebracht. Folgendes sollten Sie aber in jedem Fall dem neuen Besitzer mitgeben:

DIE Informationsquelle über Rassekatzen, Haltung und Zucht etc. sind Katzenausstellungen. Hier lernen Sie die verschiedenen Rassen kennen und können viele Züchter treffen. Einen guten Einstieg in die Cat Fancy findet man z.B. indem man eine Katze erwirbt und diese als Kastrat ausstellt. Durch Gespräche mit anderen Ausstellern - egal ob Liebhaber oder Züchter und mit Richtern lernt man so viel über die Rasse und die Katzenzucht im allgemeinen.
Züchten und Ausstellungen sind sehr teuer. Bevor Sie anfangen, sollten Sie sich darauf vorbereiten, daß Ihr Herz x-mal gebrochen wird. Sie werden Jungtiere sterben sehen, sie werden Zuchtprobleme mit Ihren besten Katzen haben. Sie werden Ihren Tierarzt vielleicht um 3 Uhr früh anrufen müssen wegen eines kranken Babies oder Geburtsproblemen. Also sollten Sie sicher sein, einen Tierarzt zu haben, der Verständnis für die Bedürfnisse eines Katzenzüchters hat und bereit ist zu lernen. Sie werden Katzen aus Ihrer Zucht haben, die auf Ausstellungen keinen Blumentopf gewinnen oder gar den Richter beissen. Auf der anderen Seite werden Sie das Wunder der Geburt erleben, Sie werden neugeborene Katzen in Ihren Händen halten, das Vertrauen der Mutter zu Ihnen spüren und wissen, daß sie Sie bei sich haben möchte während der Geburt. Sie werden Richter erleben, die den Typ und die Kondition Ihrer Katzen loben und die Aufregung und Spannung wenn Ihre Katzen auf die Bühne gehen. Während dieser Zeit werden Sie viele Züchter und Aussteller treffen. Einige davon werden nett zu Ihnen sein, anderen nicht. Einige werden Ihnen helfen, andere nicht. Sie werden viele Freunde finden und einige Feinde bekommen. Es wird Tage geben, da haben Sie gerade genug Geld um für die Katzen Futter oder für sich etwas zu Essen zu kaufen. Tage, an denen Sie das Geld für eine langersehnte Urlaubsreise an Ihren Tierarzt geben müssen. Von dem Moment wo Sie sich entscheiden Katzen zu züchten, machen Sie folgendes Zugeständnis:
DIE KATZEN KOMMEN IMMER ZUERST!
Abhängig von der Rasse und der Anzahl der Katzen, die Sie haben möchten, müssen Sie damit leben das Ihre Wohnung mehr oder weniger darunter leidet. Sie werden eine größere Anzahl an Katzentoiletten, Futtergeschirr, Decken, Kratzbäumen, Spielzeug etc. haben müssen. Auch wenn Ihre Katzen frei im Haus laufen sollen, so brauchen Sie doch einen Raum, in dem eine kranke Katze oder ein potenter Kater zeitweise isoliert gehalten werden kann.
Erwarten Sie nicht durch den Verkauf von Jungtieren Geld zu verdienen. Bis die Kitten alt genug sind, werden Sie ein kleines Vermögen in Form von Tierarztkosten, Futter und Liebe investiert haben. Seien Sie vorbereitet Ihre Babies abzugeben und damit ein Stück Ihres Herzens zu verlieren. Egal wie sehr Sie auch versuchen, sich davon nicht berühren zu lassen - es ist einfach unmöglich wenn man die Babies zu freundlichen, verspielten, menschenbezogenen Katzen aufziehen möchte.
UND: Nicht mit jeder Katze sollte gezüchtet werden, bloß weil sie ja sooo hübsch ist. Zucht bedeutet nicht Kater x Katze = Jungtiere, sondern die sorgfältige Auswahl zweier Verpaarungspartner zum Wohle der Rasse.
